Bewegung tut gut - Brustkrebsforum macht Mut

Volles Haus beim Pinktober-Brustkrebsforum Oberberg: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten am Freitag die Gelegenheit, sich in der Geschäftsstelle der Volksbank Oberberg im Forum Gummersbach über Brustkrebs, Therapie und unterstützende Angebote zu informieren. Vor allem Betroffene und Angehörige suchten das persönliche Gespräch mit den Expertinnen und Experten des Brustzentrums Oberberg, mit Selbsthilfevertreterinnen und weiteren Ansprechpartnern rund um die Versorgung bei einer Brustkrebserkrankung.
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Frage, die viele Patientinnen und Patienten während einer Krebstherapie beschäftigt: Was kann ich selbst tun? Die Antwort von Prof. Dr. Freerk Baumann, Leiter der AG Onkologische Bewegungsmedizin an der Uniklinik Köln, war eindeutig: „Bewegen Sie sich!“
Der Experte für Onkologische Bewegungsmedizin motivierte die Besucherinnen und Besucher mit einem ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrag dazu, am besten gleich nach der Veranstaltung die Turnschuhe zu schnüren. Dabei gehe es keineswegs darum, sportliche Höchstleistungen zu erbringen oder sich zwingend im Fitnessstudio anzumelden. Ein bewegungsreicher Alltag sei ein wichtiger Anfang.
„Maache mer besser ens jar nix“, scherzte Baumann auf Kölsch – um unmittelbar klarzustellen: „Das ist das Schlechteste.“ Seine beruhigende Botschaft an Betroffene: „Keine Sorge, jede Form von Bewegung ist gut.“
Schon ein täglicher Spaziergang kann viel bewirken.
Als Orientierung nannte Baumann 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Auch Gartenarbeit könne dazu beitragen. Rund 20 bis 30 Minuten Spazierengehen am Tag könnten sich positiv auf die Lebensqualität auswirken. Wichtig sei, moderate Bewegung in den Alltag einzubauen und die körperliche Aktivität während einer Krebstherapie mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.
Wie groß die Bedeutung von Bewegung gerade für Krebspatientinnen und -patienten sein kann, machte Baumann an verschiedenen Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen deutlich. Bewegung könne unter anderem bei Fatigue, Ängsten, depressiven Beschwerden, Schlafstörungen und einem sekundären Lymphödem helfen.
Auch gegen Polyneuropathien, die als Nebenwirkung einer Tumortherapie auftreten können, gibt es Möglichkeiten, aktiv zu werden. Baumann stellte unter anderem sensomotorisches Training und Vibrationstraining vor. Wer Ostheoporose vorbeugen wolle, könne Belastungsformen wie Step-Aerobic oder Tanzen hilfreich sein. Mit einem Augenzwinkern lud Baumann auch zum Training nach Köln ein: „Da haben wir den Kölner Dom mit seinen 700 Stufen.“
Entscheidend sei jedoch nicht nur, dass Menschen sich bewegen. Die Bewegung müsse zu ihnen passen und Freude machen. Wie ungewöhnlich solche Bewegungsangebote aussehen können, berichtete Baumann anhand eines Projekts mit Patientinnen und Patienten: „Wir sind zusammen nach Norwegen gefahren zum Schneeschuh-Wandern, Skilanglauf und Iglu-Bau.“
Auch Dr. Anja Weishap, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiterin des Brustzentrums Oberberg, ermutigte die Betroffenen, eine Bewegungsform zu finden, die ihnen guttut. Angebote finden Betroffene beim Kreissportbund oder im Ambulanten Reha- und Therapiezentrum RPP am Kreiskrankenhaus Gummersbach. Parallel zur Bewegung, sei eine gesunde Ernährung wichtig. Dorothee Richter, Diätassistentin am Klinikum Oberberg, erläuterte anhand zahlreicher Beispiele, welche Lebensmittel den Genesungsprozess unterstützen und informierte über Nahrungsergänzungsmittel.
Dr. Weishap stellte den Besucherinnen und Besuchern zudem die Arbeit des Brustzentrums Oberberg am Kreiskrankenhaus Gummersbach vor. Gemeinsam mit dem Brustzentrum des Klinikums Leverkusen bildet es das Kooperative Brustzentrum Leverkusen und Oberberg. Im Mittelpunkt steht eine umfassende Begleitung der Patientinnen – von der Diagnostik über die operative und medikamentöse Behandlung sowie die Strahlentherapie bis hin zur Nachsorge. Auch Psychoonkologie, soziale Beratung und weitere unterstützende Angebote gehören zur Versorgung.






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